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30.09.2014

Freispitze Überschreitung - Der Lechtaler Kronjuwel

Freispitze Überschreitung - Der Lechtaler Kronjuwel

Freispitze Überschreitung - Der Lechtaler Kronjuwel 

Die Tour zur Freispitze steht nun seit ca. 3 Jahren auf meiner Wunschliste. Für viele und für mich ganz besonders der schönste Berg der Lechtaler Alpen. Nirgendwo sonst findet man solch eine geologische Vielfalt. Die Freispitze ist von der Ansbacher Hütte bei Schnann zu erreichen. Allerdings muss man dann den ganzen Grat wieder zurück laufen und die Überschreitung ist so nicht möglich. Deshalb fahren wir über den Alrbergpass vorbei an Lech und hinein ins Lechtal nach Bach. Ca 1,5 Stunden PKW-Fahrt von Landeck muss man hier einrechnen. Der Ausgangspunkt Madau ist nur mit Bewilligung mit dem PKW zu erreichen. Madau gehört zur Gemeinde Zams (Landeck), was wegen der Entfernung schon ein interessanter Aspekt ist. Wenn man bedenkt was für Mühen die Bauern von Früher auf sich genommen haben, um das Vieh vom Inntal über die steilen Scharten der Lechtaler Alpen bis nach Madau und wieder zurück zu bringen. Übrigens wurde in Madau die überall bekannte Geier Wally berühmt. Im Jahre 1863 hob die tapfere 17-jährige einen Adlerhorst aus - das traute sich damals kein anderer in diesen steilen Wänden. 

Madau hat übrigens nur “einen” angemeldeten Bewohner - den Wirt vom Berghaus Hermine - wo man übrigens nächtigen sollte, falls man einen Tour in der Umgebung macht. 

Wir mögen es allerdings noch etwas rustikaler und biwakieren im Alperschontal in der Nähe von der Lärchenwaldhütte. Zwei Köche (Ich und Pascal) kochen natürlich auch beim Zelten perfekt auf. So haben wir schöne Nudeln mit Tomatenragout, Thunfisch und Almkäse im Gaskocher zubereitet um gestärkt in die morgige große Tour zu gehen. Die Nacht war für den Herbst relativ warm und die großen Lärchen schützen vor Wind und Wetter. 

Am nächsten Morgen steigen wir über die Knappenböden Richtung Alperschonjoch hinauf. Hier erblicken wir die schöne Vorderseespitze im Morgenlicht die ich vor einigen Wochen mit Tanja gemacht habe. Neben uns ist immer unser heutiges Tagesziel, das Freispitzmassiv im Blickfeld.
Dann geht es übers Flarschjöchl wo man schon die Ansbacher Hütte im Blick hat. Hier sind wir wieder in heimischen Gebiet - Blicke zum Riffler, Pezinerspitze und sogar ins Skigebiet See sind uns vertraut. Als wir das Winterjöchl betreten, stellen wir fest dass wir für die folgende Überschreitung viel zu wenig Wasserreserven dabei haben. Das viele Gepäck und der heiße Herbsttag fordert jetzt schon unsere ganze Kondition. Also beschließen wir am Winterjöchl etwas Schnee mit dem Gaskocher zu schmelzen um unsere Wasserflaschen zu füllen. Hier treffen wir noch auf einen einsamen Wanderer der den Augsburger Höhenweg vor sich hat und sich ebenfalls am Winterjöchl gemütlich eine Tomatensuppe kredenzt :D. Kaum ist Zwischensaison und alle kochen vor sich hin - eine lustige Situation irgendwie.

Nun geht es weglos hinauf in die Rotspitzscharte. Wir versteigen uns etwas im unübersichtlichen Gelände der Rotspitze und kommen bald ohne Seil nicht mehr weiter. Als wir die Schlüsselstelle der Rotspitze erreichen müssen wir leider feststellen, dass diese klatsch Nass ist. Das Seil leistet uns wieder gute Dienste und wir konnten diese heikle Stelle gut überwinden. Am Gipfel der Rotspitze eröffnet sich eine wunderbares Panorama über die Lechtaler Alpen und weit darüber hinaus. Doch mehr als der halbe Weg liegt noch vor uns. Der Übergang zur Roten Platte war ein landschaftlicher Genuss doch bald wird das Gelände wieder anspruchsvoller. Einige Kletterstellen geht es hinab in die Freispitzscharte. Von hier aus sieht es aus ob der Berg unbezwingbar wäre. Man gelangt jedoch über einen kleinen Schluff unterhalb der Scharte über eine ausgesetzte aber gut griffige Kletterstelle in die Hauptrinne der Freispitze. Über die Rinne hinauf geht es sehr mühsam und anstrengend bis zum Gipfel. Unsere Wasserflaschen waren schon wieder fertig und der Anstieg kostete unsere ganze Kraft und Kondition. Man bedenke, dass wir unsere ganze Biwakausrüstung mitschleppen - was ich im Nachhinein niemandem empfehlen würde. Dafür ist diese Tour viel zu lang und anstrengend. Endlich am Gipfel angekommen bietet dieser Berg die beste Aussicht, die man sich auf einem Berg nur vorstellen kann. Besonders der Tiefblick zum Jägerrücken beim Freispitztrapez hat es mir angetan. Aber der Gipfel ist nur die halbe Miete und der Abstieg mindestens genau so schwierig und mühsam. Das Ziel ist es immer sicher ins Tal zu kommen, nicht den Gipfel zu besteigen. In den vielen Tourenberichten zur Freispitz Überschreitung wird dem Abstieg zum Dreischartl viel zu wenig Aufmerksamkeit gegeben. Der Abstieg ist meiner Meinung die Schlüsselstelle der Tour - ist teilweise sehr heikel und vielleicht sogar nicht zu empfehlen. Jedenfalls sollte man hier nochmals genug Kraftreserven einplanen. Über steiles Mergel-Gelände geht es immer abwärts. Teils extremes Gehgelände und leichte bis schwierige brüchige Kletterstellen erwarten uns. Es würde hier den Rahmen sprengen jede Stelle genau zu beschreiben. Als wir das Dreischartl erreichen hat man die Möglichkeit über 3 verschieden Scharten in das Apenzeller Kar (riesige Geröllflanken) zu kommen. Die erste Scharte sieht für mich sehr unangenehm aus. Pascal nimmt die zweite Scharte und ich die dritte für den Abstieg. Alle sind heikel und unangenehm, besonders im Herbst wo diese Nordhänge immer im Schatten liegen und nass sind. Der restliche Abstieg über das Kar ist leicht aber mühsam und so erreichen wir nach ca. 10 Stunden Bergsteigen die Alperschonalpe. In Madau kehren wir noch beim Berghaus Hermine und genießen ein Wiener Schnitzel und ein kühles Bier. Wir unterhalten uns am Tisch mit Einheimischen über die Freispitze, Madau und extreme Skitouren in den Lechtaler Alpen. Danach gehts wieder zurück in die Zivilisation - nach See City :D 

Fazit: eine sehr schwierige Bergtour die nicht unterschätzt werden sollte. Wir trafen auf dem Weg eine Alleingängerin die sich sehr über unsere Gesellschaft gefreut hat. Sie war zwar technisch sehr gut, aber alleine ist diese Gegend vielleicht sogar etwas einschüchternd. Für mich war diese Tour definitiv die schwierigste und anstrengendste aber auch eindrucksvollste Bergtour die ich je gemacht habe.

Dieses Bild der Freispitze von Moritz van Hacht hab ich vor einem Jahr gekauft und hängt im Flur zu unseren neuen Zimmer an der Wand. Im Vordergrund der Fallenbacherturm.

Dieses Bild der Freispitze von Moritz van Hacht hab ich vor einem Jahr gekauft und hängt im Flur zu unseren neuen Zimmer an der Wand. Im Vordergrund der Fallenbacherturm.

Der Gipfel der Freispitze

Der Gipfel der Freispitze

Der unnahbare Hauptgipfel der Freispitze!

Der unnahbare Hauptgipfel der Freispitze!

Blick zum Riffler vom Winterjöchl

Blick zum Riffler vom Winterjöchl

Übergang zur Roten Platte von der Rotspitze

Übergang zur Roten Platte von der Rotspitze

Interessante komplexe Gesteinsstrukturen auf der Roten Platte

Interessante komplexe Gesteinsstrukturen auf der Roten Platte

Foto von der Freispitzscharte zur Wetterspitze (rechts) und Vorderseespitze (links)

Foto von der Freispitzscharte zur Wetterspitze (rechts) und Vorderseespitze (links)

Der lange Grat zur Freispitze von der Rotspitze aus

Der lange Grat zur Freispitze von der Rotspitze aus

Vorderseespitze im Morgenlicht

Vorderseespitze im Morgenlicht

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